Verlusterleben

Begleitet sein

Der Tod am Anfang des Lebens ist für Eltern und Angehörige schwer zu fassen und zu begreifen! Es fällt nicht leicht zu akzeptieren, dass ein junges, hoffnungsvolles Leben so früh zu Ende geht. Obwohl das Versterben von Kinder im Mutterleib oder kurz nach ihrer Geburt die Menschheit seit Anbeginn begleitet, fällt es uns als Individuen und auch als Gesellschaft schwer, mit dem Tod am Anfang des Lebens umzugehen. Seit über 25 Jahren begleite ich Menschen, die von frühen Verlusten betroffen sind.

Ein Kind in der Schwangerschaft zu verlieren ist für die meisten Betroffene ein belastendes und einschneidendes Erlebnis. Stirbt das Kind zum geplanten Entbindungstermin, während der Geburt oder kurz danach, löst das bei den meisten Eltern und Familien umfassende (Trauer-)Reaktionen aus.
 
Das nach folgende ABC gibt einen kleinen Einblick in das Spektrum des Erlebens Trauernder:

Abgeschnitten sein . Betriebsamkeit . Chaotisches Handeln . Dramatik . Einsamkeit .  Freudlosigkeit . Gehässigkeit . Hof-fnungslosigkeit . Interessensverlust . Jammervoll . Kraftlosigkeit . lndiskretion . Mangelempfindungen . Normalitäts-verlust . Ohnmacht . Pessimismus . Quälende Ängste . Ruhelosigkeit . Sehnsuchtsvoll suchen . Tränenlosigkeit . Überforderung .  Vertrocknen . Wertewandel . XXL neidisch sein . Zerschlagenheit

Die Erfahrung zeigt, dass es hilfreich sein kann, während des Trauerns Bilder aufzugreifen. So kann der Trauerprozess als Weg dargestellt werden. Der Trauerweg ist geprägt von vielfältigen körperlichen, seelischen und geistigen Reaktionen, die in ungewohnter Intensität auftreten können. Trauernde erleben auf dem Weg der Trauer oftmals auch sehr positive Erfahrungen wie ausgeprägte Dankbarkeit, intensive Nähe und Liebe. Im sozialen Umfeld kann es zu Konflikten kommen, langjährige Freundschaften können sich bewähren oder zerbrechen. Neue Kontakte entstehen und können in kurzer Zeit eine ungekannte Vertrautheit schenken.

Die Zeit des Trauerns ist bei vielen Menschen von Veränderung und Wandlung geprägt. So kann eine Trauernde nicht nur bei sich selbst, sondern auch bei dem/der Partner/in neue Wesenszüge kennenlernen. Trauerreaktionen sind sehr vielfältig und individuell. Jeder Mensch trauert auf SEINE Art und Weise. Männer trauern anders als Frauen, Erwachsene trauern anders als Kinder, junge Menschen trauern anders als alte Menschen.

Trauer ist jedoch bei allen Menschen zunächst eine gesunde Reaktion von Körper, Seele und Geist. Der Trauerprozess unterstützt den Betroffenen, sich von dem Verlorenem (dem Kind, der Schwangerschaft, den Zukunftsplänen bezogen auf dieses Kind…) zu lösen und schafft dadurch die Möglichkeit sich neu zu orientieren.

Professionelle Begleitung kann nicht nur Trauernde unterstützen, sondern auch indirekt die bewährten Unterstützersysteme Familie und Freundeskreis entlasten. Es ist für Angehörige nicht immer einfach den Bedürfnissen einer Trauernden gerecht zu werden und zu entsprechen. Die Trauerbegleitung in meiner Praxis orientiert sich immer am individuellen Bedarf und den persönlichen Zielen der Trauernden. Langfristiges Ziel ist in vielen Fällen der befriedete Umgang mit dem Verlust und einen guten (inneren) Platz für das Kind zu finden.

Methodisch arbeite ich schwerpunktmäßig trauer- und konfliktzentriert. Neben Techniken, die auf die Emotionalität ausgerichtet sind, kommen verhaltenstherapeutische, kognitive und gestaltungstherapeutische Verfahren zum Einsatz. Ich biete darüber hinaus seelsorgerliche Begleitung und Ritualarbeit.